Danke Schön

Liebe Lieser,

liebe Freunde Portugals,

Seit einigen Tagen bereits haben Sie nichts Neues mehr von mir gelesen. Nicht weil ich faul war oder ich wüsste nichts mehr zu berichten, sondern weil ich mich körperlich einfach nicht mehr so fit fühle. Jeder Blog erfordert mit Themenauswahl, Recherche bis zur Freischaltung einen Zeitaufwand von ca. drei Stunden, unabhängig von der Länge. Dabei sind kurze Texte häufig zeitaufwändiger als längere Ausführungen. Da mir wegen einer Achillessehnenentzündung das Laufen zur schmerzhaften Last geworden ist, fällt mit die Entscheidung, heute den Blog zu schließen, um so leichter.

Gerne hätte ich noch über den bandenmäßigen Diebstahl von Korkeichenrinde, das Angebot in den Cannabis-Läden, über Wasserhunde und katastrophalen Folgen des Anbaus von Eukalyptusbäumen berichtet, aber ich muss diese Themata auf 2026 verschieben. Mein Vorhaben, jeden Tag einen Artikel zu schreiben, war sehr ambitioniert, wie ich bereits im Herbst in Charleville-Mésières (https://www.cmz-dlm-blog.revalenz.de) erlebt habe. Heute muss ich mich mit 50 % begnügen.

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Warum Portugal?

Wenn ich in Deutschland berichte, ich mache jährlich einen längeren Urlaub in Portugal, dann ist eine häufige Reaktion; „Wir waren schon in vielen Ländern, aber in Portugal noch nie. Und warum bist du dort so häufig? “ Eine klärende, diffizile Antwort auf allgemeine Fragen ist immer schwierig und man sucht nach Beispielen aus dem Leben.

Ich steige in meinen Bus Richtung Stadtmitte. Das übliche Begrüßungsritual: Bon dia, reiche meine Monatskarte dem Busfahrer, er scannt sie, reicht sie zurück, obrigado und ich nehme Platz. Ich kenne ihn vom Sehen und weiß an hand seiner Aussprache, er stammt aus Brasilien. Seine Haare waren mal schwarz, sind aber mit den Jahren weiß geworden, mais ou menos. Fünf Minuten später steige ich mit einem gegenseitigem Obrigado aus und jeder fährt, beziehungsweise läuft seines Lebensweges. Zwei Stunden später fährt er mit seinem Bus an mir vorbei, kurbelt das Fenster runter, lacht und winkt mir zu. Diese drei Sekunden lachendes Winken sind Portugal. Nicht, dass es nur in Portugal freundlich winkende Busfahrer gäbe, aber ich glaube, die Sonne Portugals mit ihrem Lebensmut ist Bestandteil der Muttermilch und setzt sich in den Menschen fest.

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Nachdenklichwertiges

Einige Tage habe ich meinem Blog nichts mehr veröffentlicht. Nicht, weil mir nichts mehr einfiele, was ich für Berichtenswert erachte, sondern eher, weil ich noch immer an meiner Erkältung seit zehn Tage leide. Zwar ist der Schmerz beim Husten vergangen, aber der Husten selbst und meine Achillessehne zwickt bei jedem Schritt. Andere Schuhe kaufen, hat mir meine Physiotherapeutin empfohlen, was aber leichter zu empfehlen als zu kaufen ist. Schuhgröße 46 ist in Portugal noch immer ein Kindersarg und wer danach in einem Schuhgeschäft fragt, bekommt vereinzelte Angebote, die wohl eher nur die Größe 46 eingestanzt bekamen, aber real in eine kleinere Abteilung gehören und mit sehnenschonenden und heilendem Gang gänzlich unvereinbar sind. Solche körperlichen Malessen animieren nicht zum Ritt auf journalistisch-schriftstellerischen Pegasuss und die selbstkritische Frage hinterrücks: Interessiert es überhaupt jemanden, was ich tippsel?

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Sklaverei und Handel

Eines der schmachvollsten historischen Kapitels fast jeden europäischen Staates ist die Sklaverei und der Sklavenhandel mit Menschen aus Schwarzafrika. Selbst die Schweiz und Schweden und auch der Große Kurfürst in Brandenburg versuchten sich an dem Handel zu beteiligen und Profite zu generieren, was aber wohl nur den Schweizer Kaufleuten gelang. Portugal begann im frühen 15. Jahrhundert mit der Erforschung der afrikanischen Westküste die Kosten für die Expeditionen durch Sklaven zu minimieren. Das heutige Ghana, der Kongo und das Lagos in Nigeria als Pendant zu Lagos an der Algarve waren Schwerpunkte, wie später Luanda in Angola und Mozambik an der Ostküste Afrikas. Insgesamt schätzt man, dass zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert ca. 3,9 Millionen Afrikaner vorwiegend nach Brasilien verschleppt. Ein Museum in Lagos an der Algarve dokumentiert und arbeitet diese Verbrechen auf.

Sklavenmarkt in Lagos, Algarve

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Lebensmittelverschwendung

Es gibt weder in Portugal noch in Deutschland die gesetzliche Pflicht für Supermärkte unverkaufte Lebensmittel an soziale Organisationen zu spenden, statt sie in Bio-Containern zu entsorgen. Vorreiter sind in der EU bisher Frankreich, Italien, Spanien und Tschechien. In Portugal wurden 2022 184 kg (350 €) pro Person vernichtet, wobei der Großteil auf private Haushalte entfiel, nämlich 123 kg/Person. Auf Supermärkte und Gastgewerbe entfallen somit 66 kg/Person, wobei natürlicher Verderb eingerechnet wurde. Eine 100 prozentige Vermeidung bleibt unrealistisch. Deutschland liegt laut EU-Angaben aus Brüssel von 2020 bei 78 kg/Person, Bulgarien bei 26 kg/Person. Es ist für mich sehr schwierig aus dem Wulst von Zahlen und Quellen belastbare Angaben zu machen, aber die Differenzen lassen sich erkennen, und dabei möchte ich es belassen.

Apfelsinen deren Schalen durch Unwetter Narben haben oder anderen Qualitätsansprüchen nicht genügen

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Azulejo

Jene, zumeist blauen Kacheln, sind mit Portugal unverbrüchlich verbunden: die Azulejos. Ursprünglich stammen sie aus dem iranischen Raum, fanden aber mit der Ausbreitung des Islams auch den Weg auf die iberische Halbinsel. Auch nach der christlichen Rückeroberung Spaniens und Portugals entwickelte sich die Herstellungstechnik erst im Süden Spaniens, ab dem 16. Jahrhundert schwerpunktmäßig in Portugal weiter. Vor allem die Motive wandelten sich, denn aus der islamisch geprägten Ornamentik, einem Tapetenersatz, gewann die Szenenmalerei an Einfluss. Zudem verließen die Azulejos die Innenräume und wurden zum architektonischen Gestaltungselement von öffentlichen Gebäuden und Privathäusern

Haus in Aveiro mit Ornamentik und realen Illustrationen

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Fatimas Hand oder die Scharia

Man sieht sie an Häusern immer seltener, obwohl sie in Portugals Baumärkten durchaus angeboten werden; Türklopfer. Früher unabdingbar, heute eher Zierrat an Haustüren, deren Funktion durch eine schöne Klingel ersetzt wird. Ich musste lange durch Portimaos Altstadt streifen, um überhaupt noch wenige Türklopfer zu finden. Wer würde seinen Klang auch schon in der 18. Etage vernehmen, bzw. fühlte sich angesprochen, wenn unten der Paketdienst gegen die Haustür pochte? Auch in Deutschland waren Türklopfer früher an jeder Haustür zu finden, aber in so zwei ausgesprochen typischen Formen wie in Portugal sind sie mir nicht bewusst.

Der Löwenkopf, eine Messingnachbildung, die ich real an keiner Tür gefunden habe

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Suppenküche trotz schmerzender Rippen

Wenn es ganz leise in meinem Appartement ist, höre ich eine zarte Stimme, die mir flüstert: „Bleibe liegen, Dir tun die Rippen weh, fahre nicht zur Suppenküche!“ Es ist die gleiche Stimme, die mich nachts aus dem Schlaf holt und aus dem Kühlschrank flötet, ich könnte noch etwas Leckeres essen. Es ist Sonntag, dann bin ich mannhaft und wähle den Weg zur Suppenküche. Und die internationale Unterhaltung ist es wert, werde ich drei Stunden später resümieren, auch wenn ich wieder kein Wort portugiesisch gesprochen haben werde.

Gute Laune herrscht bei den Köchinnen immer

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Entschuldigung

Bei jenen Lesern meines Blogs, die in den letzten drei Tagen vergeblich auf neue Nachrichten gehofft haben, muss ich mich entschuldigen. Eine Air-Condition-Erkältung hat mich hinterrücks erwischt und aufs Bett gefesselt, dass mir nicht zum Tippen zumute war. Heute, am Samstagabend fühle ich mich besser, obwohl jedes Husten in den Rippen schmerzt wie ein Bruch. Aber ich fühlte mich von den weiblichen Mitarbeiterinnen im Service-Bereich sehr gut betreut, während mir die männlichen Servicekräfte gerne in die Seiten stupften um sich zu erkundigen, ob das auch weh täte. Die Apothekerin lobte mich ob meiner guten portugiesischen Sprachkenntnisse und fragte mich nach meiner Nationalität. Offensichtlich konnte ich das Image Deutschlands bei ihr fulminant erhöhen. Ihr Lob wiederum beschleunigte meinen Heilungsprozess um 10 km/h, denn die Apotheke befindet sich in einer Fußgängerzone.

Der Verursacher meiner Air-Condition-Erkältung

Ich hoffe, morgen wieder meinen Dienst in der Suppenküche versehen zu können und dann gibt es weitere Informationen aus dem westlichsten Europa.

Migranten in der Landwirtschaft

Was jeder schon seit Jahren sehen konnte, wovor die Politik aber die Augen verschloss, ohne Migranten, legal oder illegal, ohne sie kann an der Algarve keine Landwirtschaft betrieben werden. Die Tageszeitung O Publico, vergleichbar mit der F.A.Z oder der Süddeutschen Zeitung, hatte bereits im letzten Jahr in Reportagen über die Arbeitssituation und vor allem über deren katastrophalen Lebenssituation im Alentejo berichtet, was zu heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit führte. Wie in der Februar-Ausgabe 2025, der deutschsprachigen Monatszeitschrift ESA (Entdecken Sie Algarve), berichtet wird, hatte die Vereinigung der Gemüse-, Obst- und Blumenbauern des südwestlichen Alentejo (AHSA) eine Untersuchung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nunmehr veröffentlicht wurden.

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