Raindrops are falling

Der Regen hatte sich gestern Abend schon mit leichtem Niesel angekündigt, heute schüttete er sich über die Algarve aus. Darum keine Pläne, kein Museum, das am Montag geöffnet hat und deshalb viel Vokabellernen, bis der Kopf qualmte und am Nachmittag der Regen nach ließ. Warum gestern die Suppenküche geschlossen blieb, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Anna zeigte sich beim Abendessen erstaunt, vermutet, dass der Koch fehlt. Darum ein Blick auf mein Abendessen,

Da ich ein Suppenkasper bin, reduziert sich meine Vorspeise (Entrada) auf einen Salat oder heute auf warmen Ziegenkäse auf Toastbrot, nach dem Gruß aus der Küche, der nicht auf der Karte aufgeführt wird.

Ziegenkäse auf Toastbrot mit Feldsalat

Beim Hauptgang (Prato Principal) favorisiere ich ein Fischgericht. Da ich aber bereits zweimal in den ersten Tagen gegrillten Thunfisch hatte und der Hamburger eine reine Verbeugung vor einem amerikanischen Paar in den Flitterwochen ist, blieb mir nur das Cappeli de Abobora com Molho de Camarao. Ich bevorzuge Gerichte, die ich nicht kenne und/oder deren Namen ich nicht aussprechen und auch nicht übersetzen kann. Und es war eine gute Wahl. Während das amerikanische Jungehepaar mit seinem Hamburger gar nicht zufrieden war, trotz all ihrer Sonderwünsche, dass der Hamburger selbst nicht mehr mit der Karte übereinstimmte. So geht es bereits seit vier Abenden, die Dame bestellt mit Sonderwünschen, die alle nicht ihren Erwartungen gemäß erfüllt werden. Er schweigt, schämt sich fremd, wagt aber nicht friedenstiftend seine jüngst Angetraute zu beruhigen, um nicht den ersten Ehekrieg samt seiner Niederlage herauf zu beschwören. Ich fühle mich unterhalten.

Cappeli de Abobora com Molho de Camarao

Als Nachtisch entscheide ich mich für crème brulée, denn von den beiden Köchen hat in dieser Woche der schlechtere Dienst. Das Erdbeereis sieht sehr mager aus mit seinen zwei Kugeln rotem Eis und ein paar Schnipseln Erdbeeren, die der Jahreszeit gemäß nach gar nichts, besonders nicht nach Erdbeeren schmecken. Ich bin sonst wirklich mit dem Hotel zufrieden, sonst wäre ich jetzt nicht zum vierten Male hier eingekehrt, aber was die Desserts angeht, wäre eine engagierte weibliche Hand in diesem Resort eine Bereicherung. Der Fruchtteller Orange, Kiwi und Mango ist auch nicht Goldmedaillen verdächtig, falls auch scheibchenweise drapiert wie gemalt. Da halte ich mich an die Crème brulée, die mit ihren Zutaten Vanille und Zucker an die glorreichen Jahrhunderte der portugiesischen Seefahrer erinnern. Vanille, die nur auf Madagaskar wächst, war neben Pfeffer und Zimt eines der Gewürze, für welche die Portugiesen das Kap der guten Hoffnung umschifften. Und Vanille, ich meine die schwarze Schote der Vanilleblüte, deren schwarzen Samen wir herauskratzen und nicht den Vanilleersatz, das Vanillin, ist auch heute noch nach Safran das teuerste Gewürz. Damit eine Eierspeise zu würzen und mit karamellisierten Zucker zu bedecken, lässt jedes portugiesisches Herz höher schlagen, und vielleicht bin ich diesbezüglich bereits Portugiese.

Crème brulée mit Vanilleeis – mehr Vanillin geht nicht

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