Suppenküche, oder …?

Heute, am Sonntag Mittag war endlich mein erster Arbeitseinsatz in der Suppenküche von Portimao. Mein „hinterlistiger“ Gedanke, der meinen Arbeitseinsatz trägt, ist, während der Arbeit mit den Kollegen ins Gespräch zu kommen und portugiesisch am laufenden Band zu lernen. Daher heute eine kleine Enttäuschung, dass um mich herum viele bezaubernde Frauen standen, aber die Umgangssprache war amerikanisches Englisch und kanadisches Französisch. Dazu war ich eigentlich nicht nach Portugal geflogen und vor einem Jahr war englisch nur die Krücke für jene, die kein portugiesisch sprachen. Trotzdem hat mir die knapp dreistündige Arbeit Freude bereitet und nächsten Sonntag geht es weiter.

Ich werde auf Fotos verzichten, denn jene Mitbürger, die an der Suppenküche um eine Mahlzeit anstehen, sind keine Tiere in einem menschlichen Zoo und ich möchte keine in diesem Blog ausstellen. Wie Armut aussieht, gehe bitte in jene bekannten Viertel seiner Stadt und schaue genau hin und Armut kann auch in Europa noch schlimmer aussehen, wenn sie aus den Wohnungen heraus kommt, was man nicht mehr als Wohnung bezeichnen möchte. Im letzten Jahr haben wir zusätzlich Matratzen mitgenommen, denn viele Kunden schliefen am Strand und deren Matratzen waren nach einer Woche Regen, wie er auch derzeit herrscht, nicht mehr als Schlafplatz geeignet.

Knapp 20 Personen waren heute damit beschäftigt ca. 200 Essportionen zuzubereiten. Drei Brötchen, etwas Obst, ca. 250 ml Suppe und wenn Kinder dabei waren auch noch einen Schokoriegel. Falls ich das System richtig verstanden habe, weil ich mitarbeitete konnte ich die Handlungen anderer nicht immer vollständig verstehen, melden sich die Kunden am Vortag übers Smartphone an und teilen mit, für wie viele Personen sie Essen benötigen. So wird beispielsweise verhindert, dass Muslime Wurstbelag aus Schweinefleisch erhalten, sondern nur mit Käse belegte Brötchen. Apropos Brötchen: Wir schneiden die Brötchen auf und schon beim Griff in diese Backwaren, schaudert es mich. Zum Teil zerbröseln die kleinen Brote, was darauf hindeutet, dass sie zu feucht gelagert wurden oder sie sind steinhart, so dass man ihr Alter nur noch schätzen kann. Wenn man auch noch Thunfischcreme in den Brötchen findet, ist der direkte Weg in die Mülltonne.

Es scheint mir, dass für manche Bäckereien die Fahrt zur Suppenküche ein Ersatz für den Weg zur Biotonne ist. Sollte ich mich irren, bitte ich mich zu korrigieren, vielleicht korrigiere ich mich auch noch selbst, nach meinen nächsten Arbeitseinsätzen. Ich erinnere mich vor 20 Jahren, dass die Bäckereien zwar die Hotels belieferten, bezahlt wurden aber nur die verzehrten Brötchen, den Überbestand musste der Bäcker wieder mitnehmen. Was dazu führte, dass Bäcker ihre Retourware am folgenden Tag unter die frischen Brötchen mischten. Damals wurden hauptsächlich Weizenbrötchen zum Frühstück angeboten, die heutigen Paezinhos integral mit Roggenanteilen waren erst auf dem Vormarsch. Seitdem TK-Brötchen in den Hotels aufgebacken werden, blieben viele Bäckerherde für immer kalt. Die teilweise steinharten Brötchen aber der Kundschaft als Wohltätigkeit anzubieten, deren Zähne zum Großteil bereits ruiniert sind, ist Verhöhnung.

In der Suppenküche wird Schnittkäse von Großabnehmern auf die Brötchenhälften gelegt, in jede Tüte drei Brötchen. Dazu kommen Frischobst und Apfelsinen. Zwischenzeitlich wird in der Küche eine Suppen in großen Töpfen angerührt, nebenan steht der Reiskocher. 250 ml fasst ein verschließbarer, verrottungsfähiger Becher, der als Grundsubstanz Nudeln, Kartoffeln oder Reis beinhaltet und mit einer Gemüsebrühe überschüttet wird. Wie heiß oder nur noch lauwarm die Suppe beim Kunden ankommt, hängt von uns ab, wie schnell wir abfüllen, den Deckel auf den Becher quetschen und die ausgerufene Telefonnummer einen wartenden Hungrigen findet. Das System mit den Telefonnummern hat den Vorteil, dass es vor der Ausgabestelle kein Gedränge und Geschubse gibt.

Was ich als ganz großartig empfinde, ist die Teamarbeit in der Küche. da niemand Geld für die Arbeit empfängt, jeder ehrenamtlich tätig ist, drückt sich niemand vor einer Tätigkeit, sondern jeder packt gerade dort an, wo es not tut. Jeden Chef würde dieser kollegialer Einsatz freuen, wo niemand zu einer Arbeit eingeteilt werden muss, sondern jeder sich seinen Arbeitsplatz sucht, Ich freue mich auf den nächsten Sonntag in einem engagierten Team.

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