Migranten in der Landwirtschaft
Was jeder schon seit Jahren sehen konnte, wovor die Politik aber die Augen verschloss, ohne Migranten, legal oder illegal, ohne sie kann an der Algarve keine Landwirtschaft betrieben werden. Die Tageszeitung O Publico, vergleichbar mit der F.A.Z oder der Süddeutschen Zeitung, hatte bereits im letzten Jahr in Reportagen über die Arbeitssituation und vor allem über deren katastrophalen Lebenssituation im Alentejo berichtet, was zu heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit führte. Wie in der Februar-Ausgabe 2025, der deutschsprachigen Monatszeitschrift ESA (Entdecken Sie Algarve), berichtet wird, hatte die Vereinigung der Gemüse-, Obst- und Blumenbauern des südwestlichen Alentejo (AHSA) eine Untersuchung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nunmehr veröffentlicht wurden.
Nepalesen, Inder und Thailänder pflücken Orangen
Laut dieser Studie sind für 83 % der landwirtschaftlichen Betriebe die Arbeitskräfte aus Asien so wichtig, dass ohne sie die Betriebe nicht weiter geführt werden könnten. Zu 73 % Prozent sind in diesen Betrieben mehr als die Hälfte der Angestellten Asiaten und noch genauer: Von den 73 % geben sogar fast die Hälfte (45 %) sogar an, mehr als 75 % ihrer Belegschaft stamme aus Nepal (86 %), Indien (48 %) oder Thailand (41 %). Der Bedarf könne durch die portugiesische Bevölkerung nicht gedeckt werden, die zu 83 % kein Interesse an einer Arbeit in der Landwirtschaft habe, oder zu 21 % Mängel in der Qualifikation hätte.
Als ganz großes Manko für die Anwerbung heimischer Arbeitskräfte wurde die Qualität der Unterbringung angebracht. O Publico zeigte Fotos von Häusern ohne Dach, ohne Fenster, ohne sanitäre Anlagen, Matratzenlager mit faulenden Matratzen, alles im allem Ruinen, die nur jemandem zu zumuten sind, der nicht auf dem Absatz kehrt machen und in sein Heimatdorf zurück kehren kann. Hier scheint sich im letzten Jahr einiges auf Druck des Verbandes gebessert zu haben, denn nach eigenen, für mich unüberprüfbaren Angaben der Landwirte hätten 35 % von ihnen bis zu 50.000 € in verbesserte Unterkünfte investiert, 20 % sogar mehr als 1 Mio. Euro.
Die AHSA fordert eine stärkere Kontrolle der Rekrutierungsagenturen, Verbesserung der Wohnsituation und sogar Weiterbildung der Mitarbeiter. Denn in Zeiten des Mobiles raten die schlecht wohnenden Arbeiter ihren Landleuten besser daheim zu bleiben, als den weiten Weg vom fernöstlichen Asien nach Europa zu riskieren. Angst vor Diskriminierung halten nur 10 % der potentiellen Arbeitskräfte ab, nach Portugal zu kommen. Migranten werden von den Verbandsfunktionären als essentielle Pfeiler der Landwirtschaft im südwestlichen Alentejo angesehen.
Der Mindestarbeitslohn für Vollzeitbeschäftigte beträgt 870 € brutto über 14 Monate, was auf 12 Monate umgerechnet 1015 € entspricht. Er wurde zum 1. Januar 2025 um 6,1 % angehoben, ca. 50 €. Ob diese Beträge ausgezahlt werden, was für Unterkunft, Verpflegung in einer Gemeinschaftsküche einbehalten und abgezogen, wie viele Stunden gearbeitet wird – alles steht auf einem anderen Stern. Es sollte niemanden wundern, warum für uns Orangen recht preiswert sind.
