Fatimas Hand oder die Scharia

Man sieht sie an Häusern immer seltener, obwohl sie in Portugals Baumärkten durchaus angeboten werden; Türklopfer. Früher unabdingbar, heute eher Zierrat an Haustüren, deren Funktion durch eine schöne Klingel ersetzt wird. Ich musste lange durch Portimaos Altstadt streifen, um überhaupt noch wenige Türklopfer zu finden. Wer würde seinen Klang auch schon in der 18. Etage vernehmen, bzw. fühlte sich angesprochen, wenn unten der Paketdienst gegen die Haustür pochte? Auch in Deutschland waren Türklopfer früher an jeder Haustür zu finden, aber in so zwei ausgesprochen typischen Formen wie in Portugal sind sie mir nicht bewusst.

Der Löwenkopf, eine Messingnachbildung, die ich real an keiner Tür gefunden habe

Ich habe ihn an keiner Tür in Portimao gefunden, es gibt ihn in Baumärkten und sicher an den Pforten nobler Bauernhäusern oder Herbergen auf dem Lande. Diese Mühe, ihn zu finden, habe ich mir aber erspart. Seine ersten Spuren haben Kulturwissenschaftler im heute türkischen Bereich im 7. Jahrhundert nachgewiesen, an den Häusern wichtiger, staatstragender Beamter und Herrscher – nicht immer in dieser einfachen, für jedermann sehr leicht erkennbaren Form, sondern mit vielen bedeutsamen Ornamenten verziert. Somit für jedermann erkennbar, der diesen Türklopfer bediente, dass er mit seinem Begehren nur die Obrigkeit beim Nichtstun belästigen konnte. Mit dem Islam kamen im 7. Jahrhundert auch die Türklopfer auf die iberische Halbinsel und ich höre das Aufatmen aller faustverstauchten Postboten und knöchelgepeinigten Tratschnachbarinnen über diese moderne Form der zwangsweisen Kommunikation. Der Löwenkopf wird aber nicht an jeder Dorftür geprangt habe, auch wenn sich manche Bewohnerin für sehr wichtig hielt.

Die zweite Türklopfer-Variante ist eine Hand, mehr eine Faust. Neuerdings als Fatimas Hand offeriert und bezieht sich auf Lúcia de Jesus dos Santos (* 22. März 1907 in Aljustrel, † 13. Februar 2005 in Coimbra). Sie war eine portugiesische Ordensschwester und Nonne, und soll als Kind Zeugin der Marienerscheinung in Fátima gewesen sein. Damit wäre diese Hand als Türklopfer sehr neu, was sie aber wahrlich nicht ist. Dieser Türklopfer scheint auch seinen Ursprung in der maurischen Zeit des mittleren Mittelalters gehabt zu haben und es sagt dem Besucher: Du kannst hier eintreten, solltest du aber etwas stehlen, wird dir gemäß der Sharia die Hand abgeschlagen. Dazu muss man wissen, dass im Mittelalter Türschlösser für den Normaluntertanen nicht die Regel waren, sondern Türen wurden nur von innen verriegelt.

Leicht eingerostet, Fatimas Händchen, die auch gegen den Teufel und böse Geister schützen sollen.

In den letzten Epochen Portugals scheint die Androhung des Handabschlagens bei Dieben und Einbrechern keine große Furcht mehr auszulösen, denn Hausbesitzer vertrauen doch mehr auf Schlösser mit Schließzylinder als auf die Sharia und Fatima.

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