Azulejo
Jene, zumeist blauen Kacheln, sind mit Portugal unverbrüchlich verbunden: die Azulejos. Ursprünglich stammen sie aus dem iranischen Raum, fanden aber mit der Ausbreitung des Islams auch den Weg auf die iberische Halbinsel. Auch nach der christlichen Rückeroberung Spaniens und Portugals entwickelte sich die Herstellungstechnik erst im Süden Spaniens, ab dem 16. Jahrhundert schwerpunktmäßig in Portugal weiter. Vor allem die Motive wandelten sich, denn aus der islamisch geprägten Ornamentik, einem Tapetenersatz, gewann die Szenenmalerei an Einfluss. Zudem verließen die Azulejos die Innenräume und wurden zum architektonischen Gestaltungselement von öffentlichen Gebäuden und Privathäusern

Haus in Aveiro mit Ornamentik und realen Illustrationen
Von der Ornamentik zu realen Schlachtszenen
Da im Islam malerische Darstellungen stark durch religiöse und kulturelle Normen eingeschränkt sind, dominierten Kachelmosaike, welche als Tapetenersatz die inneren Räume wohnlicher machten. Zudem sind sie entweder endlos fortzusetzen oder aber zu beenden, was bei gemalten Motiven Schwierigkeiten bereitet. Im 16. Jahrhundert werden zuerst in den Kirchen, später auch in öffentlichen Gebäuden und Privathäusern prunkvolle Darstellungen aus der Bibel, von historisch gewonnen Schlachten oder einer Kaufmannsdynastie dargestellt. Diese großflächigen Azulejos heben das Besondere des Auftraggebers hervor und sollen seine gesellschaftliche Stellung stärken. Mit der Erfindung der farblichen Majolika-Technik in Spanien erleben die Azulejos einen weiteren Höhepunkt und es wird auch bei den Niederländern Mode, die Wohnhäuser mit Delfter-Kacheln auszugestalten, zumal die Niederländer im 17. Jahrhundert den Portugiesen ihre Handelsstützpunkte in Fernost, Afrika und auch Brasilien temporär erfolgreich streitig machen.

Restaurant mit Szenen vom Fischfang in der Hafenstadt Portimao
Dienen die Azulejos anfänglich zur Raumausstattung, haben sie außen angebracht den Vorteil, die verputzten Häuser vor dem salzigen Meereswind zu schützen. Nach dem großen Erdbeben von 1755 war es preiswerter und schneller möglich, die Neubauten mit Azulejos zu versehen als mit gebrannten Ziegeln. Auch heute sind Privathäuser mit Azulejos selten, sieht man von Kachelmosaiken ab. Sie sind eher in den Altstädten zu finden, in Neubaugebieten wenig – was innerhalb der vielstöckigen Edificios als Wandschmuck angebracht wurde, entzieht sich meinen Blicken. Zudem hat sich der Verputz und haben die Fassadenfarben sich weiter entwickelt und platzen nicht bereits nach einigen Jahren ab. Aber trotz allem technischen Fortschritts sind gebrannte Gemälde keine Billigware. Alltagsszenen von der Stange kosten als Azulejos ca. 40 €/m². Soll es ein Unikat sein, von einer künstlerischen Hand entworfen, dürfte sich bei der geringen Zahl an Auserwählten mit einem eigenen Brennofen der Preis verzehnfachen. Daher belassen es viele Portugiesen auch bei ihrer Hausnummer, als Erinnerung an ihren Urlaub an der Algarve.

Individuell gefertigtes Bild mit einem Gedicht des Dichters Nautilio Martins aus Portimao
