Lebensmittelverschwendung

Es gibt weder in Portugal noch in Deutschland die gesetzliche Pflicht für Supermärkte unverkaufte Lebensmittel an soziale Organisationen zu spenden, statt sie in Bio-Containern zu entsorgen. Vorreiter sind in der EU bisher Frankreich, Italien, Spanien und Tschechien. In Portugal wurden 2022 184 kg (350 €) pro Person vernichtet, wobei der Großteil auf private Haushalte entfiel, nämlich 123 kg/Person. Auf Supermärkte und Gastgewerbe entfallen somit 66 kg/Person, wobei natürlicher Verderb eingerechnet wurde. Eine 100 prozentige Vermeidung bleibt unrealistisch. Deutschland liegt laut EU-Angaben aus Brüssel von 2020 bei 78 kg/Person, Bulgarien bei 26 kg/Person. Es ist für mich sehr schwierig aus dem Wulst von Zahlen und Quellen belastbare Angaben zu machen, aber die Differenzen lassen sich erkennen, und dabei möchte ich es belassen.

Apfelsinen deren Schalen durch Unwetter Narben haben oder anderen Qualitätsansprüchen nicht genügen

Erst seit 2024 sind alle portugiesischen Gemeinden gesetzlich verpflichtet, organische Abfälle separat zu sammeln und zu verwerten, beispielsweise durch Kompostierung oder Biogasproduktion. Hier ist die Hotellerie und das Gastgewerbe an der Algarve besonders gefordert. Es werden 2025 25 Mrd. € an Einnahmen aus dem Tourismus erwartet. Ein Umsatz, der von Fachleuten erst für 2027 prognostiziert wurde, und bei einer zunehmenden Zahl ökologisch orientierter Urlauber auch gehalten werden soll. Damit trägt die Algarve nach Lissabon und Porto als drittgrößte Region zum Bruttosozialprodukt bei. Portugal ist nicht wie Nordafrika oder die Türkei eine Billig-Urlaubsregion, sondern wirbt auch mit einem hohen Standard seiner Hotels. Es gibt nicht nur die Stellschraube Preiserhöhung, sondern auch die der Kostenreduzierung. Etwa 20 % eines Buffets werden als Biomüll entsorgt, falls nicht zuvor in der Küche ein Masterplan aufgestellt wird, wie beispielsweise mengenmäßig reduzierte Menus für ältere Gäste.

Kleingeschnittenes Obst für das morgendliche Müsli aus Früchten, die in ihrer Gesamtheit nicht mehr ins Buffet kamen

Es gibt einige Supermarktketten wie Apólonia, Porsi oder Continente, welche diverse soziale Einrichtungen mit Lebensmittellieferungen unterstützen, die zwar durchaus ess- und genießbar sind, aber eben wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr im Verkaufsregal angeboten werden. Insgesamt ist die Verwertung statt Wegwerfen von Lebensmittel ein gesamt-gesellschaftliches Problem, das nicht von einer Initiative allein gelöst, sondern nur durch eine Kette von Erzeugern, Vermarktern und Verarbeitern Hand-in-Hand gelöst werden kann.

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