Sklaverei und Handel

Eines der schmachvollsten historischen Kapitels fast jeden europäischen Staates ist die Sklaverei und der Sklavenhandel mit Menschen aus Schwarzafrika. Selbst die Schweiz und Schweden und auch der Große Kurfürst in Brandenburg versuchten sich an dem Handel zu beteiligen und Profite zu generieren, was aber wohl nur den Schweizer Kaufleuten gelang. Portugal begann im frühen 15. Jahrhundert mit der Erforschung der afrikanischen Westküste die Kosten für die Expeditionen durch Sklaven zu minimieren. Das heutige Ghana, der Kongo und das Lagos in Nigeria als Pendant zu Lagos an der Algarve waren Schwerpunkte, wie später Luanda in Angola und Mozambik an der Ostküste Afrikas. Insgesamt schätzt man, dass zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert ca. 3,9 Millionen Afrikaner vorwiegend nach Brasilien verschleppt. Ein Museum in Lagos an der Algarve dokumentiert und arbeitet diese Verbrechen auf.

Sklavenmarkt in Lagos, Algarve

Zuerst werden die Sklaven in den Zuckerrohrplantagen eingesetzt, weil die indigene Bevölkerung sich für diese Arbeiten nicht „eignete“, wie es in Dokumenten heißt. Die meisten amerikanischen Bewohner verstarben schnell an den von den Portugiesen eingeschleppten Krankheiten, während die Schwarzafrikaner resistenter waren. Brasilien erwies sich als sehr fruchtbar für Zuckerrohr und der aus Portugal ausgewanderte niedrige Landadel entwickelte sich rasch zu Zuckerbaronen, die sich jeden Luxus erlauben konnten. Die erstarkenden Niederlande machen im 17. Jahrhundert die portugiesischen Stützpunkte in Afrika, Amerika und auch in Asien streitig, und steigen selbst in den Sklavenhandel ein. In nur zehn Jahren (1635 – 1645) verschifft die niederländische Vereinigte Ostindische Companie (VOC) 25.000 Menschen von Angola nach Brasilien.

Ende des 17. Jahrhunderts setzt in Brasilien ein Gold- und Diamantenrausch ein, und wieder werden Sklaven benötigt. 1761 wird in Portugal die Sklaverei abgeschafft, jedoch in den Kolonien erst 1860, im zwischenzeitlich unabhängigen Brasilien gar erst 1888. Zwar sind die Sklaven formell frei, aber ohne Kapital und ohne Schulbildung bleiben sie bei ihren Herren und arbeiten für geringsten Lohn. Wohin sollen sie auch gehen? Von der Zuckerrohrplantage zur Kaffeeplantage? Wissen ist Macht und das Wissen bleibt bei den mächtigen Großgrundbesitzern.

Bezweifelt wird heute die Aussage, dass die Schiffe in einer Drei-Ecksfahrt mit den Passatwinden gesegelt seien. Die These lautet von Lagos an die Goldküste Westafrikas mit Tand für die dort wartenden Sklavenjäger. Mit den Sklaven von Afrika nach Brasilien und von dort aus mit Zucker Richtung Latein- und Nordamerika. Danach zurück nach Europa mit Fellen an Bord. Eher soll es sogar Leerfahrten gegeben haben, denn ein Frachtschiff braucht nur die Hälfte der Besatzung eines Sklaventransporters, zudem ist der Innenausbau mit Fesselvorrichtungen für die Sklaven anders als der rutschsichere Stauraum für Sackwaren.

Übrigens haben Nicht-Regierungsorganisationen ausgerechnet, dass jeder Mitteleuropäer auch heute noch circa 80 Sklaven weltweit hat, die er zwar nicht persönlich kennt, die aber seine Bekleidung in Bangladesh nähen, Obst und Gemüse in den Tropen pflücken, ernten und verpacken oder Non-Food-Produkte für Discounter in Indien oder China zusammenstecken und dafür einen Lohn erhalten, der zu hoch zum Sterben, aber zu niedrig zum Leben ist. Wie fragil dieses System ist, spürten wir während der Corona-Pandemie, als im März 2021 das Containerschiff Ever Given im Suez-Kanal auf Grund lief und innerhalb einer Woche 400 weitere Schiffe sich dahinter stauten.

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