Cataplana
Man kann kein Land näher, aber auch besser kennen lernen, als über die ursprüngliche Küche – soweit rückverfolgbar. Mit der Algarve wird unweigerlich Cataplana verbunden. Das Wort bezieht sich nicht nur auf ein Gericht, sondern auch auf das spezielle Kochgeschirr, in welchem das Gericht Cataplana zubereitet wird. Dokumentiert ist das Kochgeschirr in historischen Dokumenten als es in eine brennende Glut gestellt und anschließend mit Sand zugedeckt wurde. Natürlich müssen Topf und Deckel sehr passgenau gehämmert werden und aufeinander verschließbar passen und Köche schwören auf eine Kupfer-Cataplana. So wird das Gericht schonend im Kochgeschirr gegart, was auch mehrere Stunden dauern kann. In Mitteleuropa findet man Pendants aus Ton im Römer-Topf. Das Geschirr soll bereits während der maurischen Herrschaft bis 1492 in Gebrauch gewesen sein.

Cataplana – ein gut schmeckender Eintopf
Entsprechend den Kochkünsten des ausgehenden Mittelalters wurde in die Cataplana-Form mit einem gerundeten Boden alles Verfügbare in das Kochgeschirr gelegt und man konnte ohne weitere Aufsicht seiner Arbeit nachgehen. Es entstand ein schmackhafter Eintopf, entsprechend der Verfügbarkeit der Zutaten. Die zeitlich getrennte Zubereitung von Fleisch, Kartoffeln und anderem Gemüse, wie wir sie heute kennen, begann bei einem Großteil der Bevölkerung in Mitteleuropa erst vor ca. 150 Jahren.

Cataplana aus Muscheln, Shrimps und Schweinefleisch
Das Gericht Cataplana entwickelte sich aus dem ursprünglichen Allerlei-Eintopf zu einem differenzierten Eintopf in Portugal erst Ende des 20. Jahrhunderts, denn die Versorgung der Bevölkerung war bis zur Nelkenrevolution 1974 nicht unbedingt gesichert. Cataplana ist aber untrennbar mit der Rekonquista, der Rückeroberung der iberischen Halbinsel von 1200 bis 1492 verbunden. Nicht alle Juden und Moslems wollten mit den geschlagenen Mauren Spanien verlassen, sondern hofften auf ein Leben in vertrauter Umgebung, so wie die maurischen Herrscher es bisher den Juden und Christen gegen eine hohe Kopfsteuer gestattet hatten. Die christlichen Eroberer wollten von der Enthauptung der Andersgläubigen nur absehen, falls sie zum christlichen Glauben konvertierten. Damit dies kein Lippenbekenntnis war, servierte man ihnen eine Cataplana mit Schweinefleisch und Muscheln, für die Moslems und Juden jeweils unreine Tiere. So begann der große Exodus der maurischen Intelligentia. Das deutsche Wort Mohr (Engl. the moors) bezog sich übrigens ursprünglich auf die Mauren, und wurde erst später auf Schwarz-Afrika übertragen.
Wer die Kombination Muscheln und Schweinefleisch befremdlich empfindet, findet mein Verständnis. Es war vor einigen Jahren der Zufall, dass ich diese Mischung serviert bekam und ich erinnere mich, es schmeckte vorzüglich. Es kommt halt auf den Koch an.
