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Ein Blick hinter portugiesische Kulissen

Zwei oder drei Wochen Urlaub in Portugal, in einem gediegenen Hotel, umgeben von dienstbaren Geistern, Urlaubern mit bester Laune – was will man mehr? Auch ich liebe es, verwöhnt zu werden, freuundliche Gespräche zu führen und für eine viel zu kurze Zeit Abstand zu den problematischen Dingen daheim zu gewinnen. Das ist die schöne, geputzte und blinkende Seite der Medaille, zu der aber auch die etwas abgeschabte Seite gehört, die man eigentlich auch mal putzen könnte. Daher wird dieser Blog nicht den Badeurlaub, die Wanderwege und die besten Restaurants vorstellen, sondern mal einen Blick auf den Lieferanteneingang werfen, und dabei auch manches historisch Gewachsenes erklären, was bis heute in die Gesellschaft des einstige Armenhauses der EWG wirkt.

Seit 30 Jahren verbringe ich mehr oder weniger lange Urlaube in Portugal, vorzugsweise im Süden an der Algarve, manchmal auch in Lissabon und Umgebung, seltener im hohen Norden, atras montes. Und wenn die Interessen über die Cocktail-Bar hinaus reichen, hinterfragt man Vieles und man möchte den Ursprung zahlreicher Umstände kennen lernen, ohne erhobenen Zeigefinger und mit dem geklügelsten Satz: „Das würde ich aber ganz anders machen.“

War es Carl Zuckmayer oder Friedrich Dürrenmatt, der sich beschied, zwei europäische Sprachen niemals zu lernen: ungarisch und portugiesisch. Da es aber sowohl bei den Ungarn und auch unter den Portugiesen reizende Damen gibt, habe ich die Herausforderung angenommen. Und wie im Herbst bereits im französischen Charleville-Mézières (CMZ), so auch im portugiesischen Portimao lernt man eine Sprache abseits jedes Lehrbuches besonders gut, wenn man mit den Muttersprachlern zusammen arbeitet. In Portimao nicht in einem 1-Welt-Laden wie in CMZ, sondern in der kommunalen Suppenküche. Wobei kommunale Suppenküche nichts mit der Kommune, der städtischen Verwaltung, zu tun hat, sondern sich mehr auf die lokale Ebene bezieht, initiiert von Joy Borgan, pastoral Assistentin der Interntional Christian Fellowship.

Ich bin kein Baptist und wurde im Frühjahr 2024 bei meinem ersten Arbeitseinsatz auch nicht danach gefragt, ob ich einer Religionsgemeinschaft angehöre oder wie ich zu den Baptisten stünde, sondern eher, ob ich Gemüse putzen und klein schneiden könne. Zur Erinnerung: Die Baptisten initierten Carlog und Care-Pakete 1945 für Deutschland, während die Schwester meines Großvaters aus den USA auf seinem Bettelbrief nur zurück fragte, ob er denn auch Juden im KZ umgebracht habe. Die Suppenküche, sie arbeitet ähnlich wie die Tafeln in Deutschland, fragt nicht nach Geschlecht, Alter, Nationalität oder Hautfarbe, sondern gibt nach Bedürftigkeit.

Über meine Arbeit dort werde ich in der nächsten Woche berichten. Morgen um meine fast katastrophale Anreise nach Portugal

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