Angekommen
Gestern war der Tag, an welchem sich mein inneres Barometer der neuen Umgebung angepasst hat, der dritte Tag. Ich kann mich zu nichts aufraffen, schlafe viel, weil ich mich einfach schlapp fühle. Egal, ob in den Bergen oder am Meer, es ist der dritte Tag, ich kenne ihn. Neuerdings kommt manchmal aus Altersgründen noch der vierte Tag dazu, mal schauen, wie es heute wird. Aber zur Hilfestellung für hilflose, reizende weibliche Hotelgäste reicht es noch. Sie, weder der englischen noch portugiesischen Sprache mächtig, wollte ihren Aufenthalt von Übernachtung mit Frühstück auf Halbpension umstellen und ich wurde um Dolmetscherdienste gebeten. Ich trug ihr Anliegen in meinem vermeintlichen Portugiesisch vor und es klappte an der Rezeption vorbildlich, als die junge Dame am Schalter meiner schutzbefohlenen Mitreisenden im guten Deutsch erklärte, es sei alles kein Problem.
Es war die gleiche Rezeptionisten, die mich zwei Tage zuvor empfangen hatte, bei meinem Namen nicht hatte nachfragen müssen, und mich keineswegs bei meinem ersten sprachlichen Härtetest unterbrach. Nach dem Motto: Wollen wir mal schauen, wie lange er durchhält und wann ist er mit seinem Portugiesisch m Ende. Am Ende bin ich zumeist bei den Antworten, die mir maschinenfeuergemäß nett lächelnd an die Ohren gebellt werden. Dann folgt mein mais devagar, mais devagar, meine sprachliche Notbremse, die Verständniskapitulation „lanfsamer, langsamer.“. Aber ich bin ja schon dankbar, dass man mir nicht auf englisch antwortet, was nämlich die freundliche Aufforderung beinhaltet, mein Anliegen vielleicht in englischer Sprache noch einmal zu wiederholen. Man sollte nicht glauben, hier das Deutsch der übelsten Gosse und negative Äußerungen über Portugal ungestraft von sich geben zu können. Sehr viele Portugiesen sprechen Deutsch, haben es nicht als „Gastarbeiter“ gelernt, sondern sind als Kind einige Jahre in Deutschland zur Schule gegangen, haben im Unterricht aufgepasst und in der Großen Pause mit den Klassenkameraden gesprochen.

Auch in Portugal stehen Eidechsen nicht auf der Speisekarte
Beim Abendessen hatte ich das lustige Erlebnis, dass auch Translater nicht fehlerfrei arbeiten. Bestelle ich aus Übungsgründen immer zum einen an Hand der portugiesischen Speisekarte, zum anderen das Gericht, welches ich nicht zu übersetzen weiß oder noch nicht kenne, stand auf der deutschsprachigen Speisekarte „Oktopus-Eidechse“ als Fischgericht. Hier war meine lukullische Neugierde doch gedrosselt und als ich meiner Servicekraft Anna auf meinem Smartphone das Foto einer Smaragdeidechse zeigte, lachte sie und versicherte mir, dass es in Portugal auch nicht üblich sei, Eidechsen zu grillen. Ich entschied mich doch aus magenschonenden Gründen für ein gegrilltes Hähnchenbrustfilet, was ich persönlich jedoch für einen Missgriff halte, Das Brustfilet, von Natur aus schon der trockendste Teil des Geflügels, wird auf dem Grill auch nicht saftiger. Dieses Rezept wurde gestern von meiner Menukarte gestrichen.
Ob Portugal einstmals in der erdgeologishen Frühzeit unter Wasser lag und erst durch plattentektonischen Verschiebungen als getrocknetes Festland an die frische Luft nach oben gedrückt wurde, vermag ich nicht zu sagen. Beim Anflug über Spanien und den nördlichen bis mittleren Teil Portugals erschienen mir Höhenzüge mit ihren dazwischen liegenden Tälern so ordentlich gleichmäßig dahin gelegt, wie abfließendes Meerwasser einen Sandstrand mit leichten Abstufungen hinterlässt und bei der nächsten Welle wieder neu formt. Portugal ist erdbebengefährdet und das große Erdbeben vom 1. November 1755 mit 30.000 bis 100.000 Toten ist heute noch unverrückbarer Lernstoff in den Schulen. Mit dem 2. Weihnachtstag 2004, als ein Tsunami in Südostasien 250.000 Menschenleben forderte, erinnerte man sich hier besonders intensiv der Allerheiligen-Katastrophe von 1755 und es wurden auch an den Stränden der Algarve Warnschilder mit Fluchtweghinweisen bei Tsunamis aufgestellt.

Warnschilder über Fluchtwege bei Tsunamis nach Erdbeben
Mein Mini-Mercardo in unmittelbarer Nähe ist eine in den Felsen gebrandete Höhle, die als bombenfest bezeichnet werden darf. Nach zwei stürmischen Tagen, wie im letzten Frühjahr, wenn das Flutwasser nicht abfließen kann, steht dieser Mini-Mercardo knietief unter Wasser, obwohl ca. 300 m von der Wasserlinie entfernt und gut fünf Meter höher gelegen. Dabei schien die Kraft des Sturmes gar nicht so heftig, denn nur schlecht vertäute Yachten glaubten einen Strandurlaub machen zu können. Haie, die auf Urlaubsgäste als Lekkerli vor dem Mini-Mercado warteten, wurden jedoch nicht gesichtet.

Mini-Mercado in die Felswand gebaut
